Der Alltag ist aktuell hart. Und ich habe das Gefühl, es wird immer härter.
In den letzten Monaten kommt der Asperger-Autismus beim Großkind immer mehr hervor und führt immer wieder zu innerfamiliären Problemen. Auch seine Wahrnehmungsstörung bzw. die Tatsache, dass er oft Reize nicht filtern kann, merkt man immer mehr. Leider können wir ihm nicht die volle Aufmerksamkeit geben, die er vielleicht bräuchte – denn er hat nunmal noch zwei jüngere Brüder. Hätte sich der Autismus früher deutlicher gezeigt, dann würde es das Babykind nicht oder erst viel später geben. Aber um ehrlich zu sein, bin ich überaus froh, dass wir nun drei kleine Rabauken haben – auch wenn es Tag für Tag ein Kampf ist.

Asperger-Austismus ist nichts Sichtbares und man kann sich nur schwer etwas darunter vorstellen. Schnell verwechselt man Aspie-Kinder mit frechen, ungezogenen Kindern und stempelt sie als Problemkind ab. Wie genau sich diese Form von Autismus zeigt, ist natürlich sehr individuell. Bei vielen der Dinge, die den Aspies schwer fallen, denkt man sich ohne das nötige Hintergrundwissen vielleicht „das muss er nunmal lernen!“. Aber das wäre ähnlich, wie wenn man von einem Rollstuhlfahrer verlangen würde, er müsse nunmal laufen lernen – er kann es einfach nicht. Der Unterschied ist nur, dass es beim Rolli-Fahrer oder der Rolli-Fahrerin offensichtlich ist. Da würde nie jemand auf die Idee kommen, das Kind sei einfach nur zu faul zum Laufen oder würde es dafür schimpfen, dass es nicht selbst läuft. Asperger-Kinder hingegen werden oft falsch verstanden und leider viel zu oft für ihr Verhalten geschimpft. Ich weis, es ist sehr schwer nachzuvollziehen – auch für mich als Mutter ist es aktuell noch sehr schwer, das Verhalten meines Kindes so zu akzeptieren wie es nunmal ist. Ich komme aktuell täglich an meine Grenzen und verzweifle zur Zeit oft – aber ich weis, dass er es nicht mit Absicht macht. Ich beschäftige mich mit dem Thema, lese, recherchiere und versuche, mein Kind und seine Besonderheit zu verstehen.

Die Arten und Weisen, wie sich der Autismus im Falle unsere Großkindes zeigt, habe ich mal versucht zusammen zu tragen:


Lautstärke
Leise kann er nicht. Er ist immer laut und alles, was er tut, muss laut sein. Das war schon immer so – schon bevor er sprechen konnte. Da das mit dem Sprechen sehr spät kam, musste er sich irgendwie anders verständigen. Bei ihm hieß das meist lautes Schreien und Kreischen. Es gab Zeiten, da tat er es dauernd, weil es ihm auch einfach Spaß machte – damals hatte ich täglich Ohren- und Kopfschmerzen davon. Inzwischen spricht er super, die Lautstärke ist aber noch immer laut. Auch wenn man ihn bittet, leise zu sein oder leise zu sprechen – er kann es einfach nicht regulieren. Gerne spielt er auch Dinge, die ihm einen Grund zum laut sein geben – so spielt er gerne wildes Tier oder Dinosaurier oder saust als Feuerwehr mit lauter Sirene durch die Wohnung.

Herumrennen
Sausen ist das passende Stichwort für die nächste typische Sache – rennen. Das Großkind kann sich scheinbar nicht langsam fortbewegen. Durch die Wohnung wird nur gerannt.
Vor kurzem habe ich ihn gefragt, warum er immer rennt und nicht mal langsam läuft. Er weis es selbst nicht. Aber er sagte mir „Mama, ich muss das machen.“

Immer der erste sein wollen
Was ihn zusätzlich oft zum Rennen bringt, ist der ständige Drang, immer und überall der erste sein zu wollen. Der erste, der Morgens durch die Tür geht. Der erste, der seinen Teller mit Essen bekommt. Und so weiter. Dabei wird auch gerne geschubst oder andere gemeine Tricks eingesetzt.
Ich wünsche mir, dass er irgendwann versteht, dass er einfach nicht immer der erste sein kann – dass er noch zwei Brüder hat, die dieselben Rechte haben wie er.

Hinrennen zu interessanten Dingen
Wenn er etwas interessantes hört oder sieht, rennt er sofort hin. Natürlich ist es in einem gewissen Maß normal und ein typisch kindliches Verhalten. Aber beim Großkind ist es schon extrem. Und gerade in Situationen wie im Straßenverkehr ist es auch manchmal einfach gefährlich.
Besonders spannend findet er zum Beispiel Fahrzeuge und speziell Straßenbahnen. Nun muss man wissen, dass direkt vor unserem Haus eine Straße sowie eine Straßenbahnlinie entlangführt. Jedes Mal, wenn er die Straßenbahn oder einen LKW, ein Müllauto, eine Kehrmaschine oder Ähnliches hört, rennt er zum Fenster und schaut. Auch, wenn man gerade mitten in einem Gespräch mit ihm ist. Er muss schon extrem in etwas vertieft sein, um nicht hinzurennen. Bei der Ergotherapie ist es übrigens ähnlich – da fahren gleich drei Straßenbahnlinien vorbei.

Ständig herumspringen und Klettern
Ganz grundsätzlich ist er ein extremer Zappelphilipp – noch viel mehr als das in dem Alter eh schon üblich ist. Mal eine Minute still sitzen ist nicht möglich. Er muss ständig herumspringen, zappeln und überall hoch klettern. Letzteres ist in Verbindung mit einem stark herabgesetzten Gefahrenbewusstsein nicht unbedingt etwas fürs schwache Mama-Herz.

Mit Händen Rumfuchteln
Was sich auch nahezu immer bewegen muss, sind die Hände. Die fuchteln ständig vor dem Gesicht, auf dem Tisch oder vor dem Gesicht des Gegenübers herum.

Schubsen, Zwicken, etc.
Oftmals kommt es vor, dass er aus dem Nichts heraus, beim Vorbeilaufen, anderen Kinder fest drückt, Schubst, zwickt oder was auch immer. Ich habe keine Ahnung, was das soll oder welchem Impuls er hierbei nachgeht.

Finger und alles andere ständig im Mund
Wenn die Finger gerade mal nirgends herumwedeln, sind sie im Mund. Oder irgendetwas anderes ist im Mund. Vollkommen egal, was die Finger zuvor angefasst haben. Ohne zu Übertreiben sage ich ihm locker fünfzig Mal am Tag, er möchte das doch bitte lassen und dass er davon krank werden kann.

Ständiger Rededrang
Was sich oftmals auch in einer Tour bewegt, ist der Mund. Wenn er nicht gerade in etwas super vertieft ist, hat er einen riesigen Rededrang. Dabei stört es auch nicht, dass er teilweise fünfmal dasselbe hinter einander erzählt.
Gerade Dinge, die ihn interessieren, müssen mitgeteilt werden. Aktuell sind das öffentliche Verkehrsmittel und Zahlen. Das heißt in der Praxis, wenn wir unterwegs sind, erzählt er über jeden Bus und jede Straßenbahn, welche Nummer sie hat. Bei jeder Haltestelle erklärt er mehrmals, welche Linien dort halten dürfen. Bei jedem Haus, an dem wir vorbeilaufen, muss erzählt werden, welche Hausnummer es hat, etc.

Interesse für Zahlen
Dabei wird schon deutlich: sein Interesse für Zahlen ist schon jetzt mit viereinhalb Jahren enorm groß. Wenn er Abends im Bett liegt, zählt er vor dem Einschlafen bis Hundert – inzwischen macht er das auch beim Spielen ab und an. Auch für andere Dinge im Räumlich-Konstruktiven Bereich hat er Interesse und Begabung.
Kurzum: Ich glaube, mein Sohn wird ein Mathe-Nerd.

Nicht auf Ansprache reagieren
Das ist eine Sache, bei der vermutlich jedem klar ist, dass sie typisch autistisch ist. Manchmal kann man ihn zehnmal ansprechen und bekommt keinerlei Reaktion. Manchmal hilft Berührung, also wenn man ihn beim Ansprechen an der Schulter anfasst oder ähnliches, aber auch nicht immer.
Es kommt aber auch vor, dass man zwar dann irgendwann eine Reaktion bekommt – aber nicht die Antwort auf die eigene Frage, sondern etwas zu einem ganz anderen Thema, das ihn gerade beschäftigt.

Vor etwa einem Jahr begab sich folgende Situation:
In letzter Zeit kommt es immer öfter vor, dass ich traurig bin und manchmal auch weine, weil Moritz nicht mir mir redet oder nicht reagiert.
Es hat den Anschein, als würde er grundsätzlich mit mir reden wollen, kann es aber in manchen Situationen nicht.
Mama: Moritz, weist du denn, warum ich traurig bin?
Kind: Ja.
Mama: Warum bin ich traurig?
Kind: Weil ich nicht mit dir rede.
Mama: Möchtest du denn mit mir reden?
Kind (traurig): Ja.



Ständig dasselbe Fragen
Oft ist er gedanklich sehr beschäftigt mit etwas und stellt dazu eine Frage. Diese Frage stellt er dann mehrmals hinter einander – ich vermute, dass in solchen Momenten das Nachdenken so präsent ist, dass es ihn daran hindert, die Antwort wahrzunehmen.

Dinge vergessen bzw. selbstverständliche Dinge fragen
Oft werden auch Dinge sehr schnell wieder vergessen. Seit einiger Zeit – etwa seit einem dreiviertel Jahr – stellt er auch vermehrt Fragen die eigentlich selbstverständlich sind, zum Beispiel weil er dabei war. Zum Beispiel wenn er eine halbe Stunden nach dem Abendessen fragt, ob wir schon zu Abend gegessen haben.

Dinge tun, von denen er weis, dass sie verboten sind
Auch Dinge, von denen er eigentlich genau wissen sollte, dass er sie nicht darf, macht er immer und immer wieder. Wenn man ihm dann zum Gefühlt tausendsten Mal erklärt, dass er das nicht machen darf, ist er total überrascht – als hätte er das noch nie gehört. Ich weis, dass er das nicht mit Absicht macht. Dass er manchmal vielleicht auch garnicht registriert, dass er gerade etwas verbotenes tut. Aber es ist extrem anstrengend.

Einschlafprobleme
Als das Großkind noch ein Babykind war, war das Thema Schlafen absolut problemlos. Mit circa drei bis vier Monaten schlief er durch. Wenige Wochen später schlief er auch alleine ein. Mit Fünf Monaten zog er ins eigene Zimmer – man konnte ihn ins Bett legen, Gute Nacht sagen und den Raum verlassen und er schlief ohne Probleme alleine ein. Hach, wie vermisse ich diese Zeiten.
Mit etwa zwei Jahren wurde es zunehmend schwieriger. Als er mal krank war, fing es damit an, dass jemand bei ihm Bleiben musste, bis er eingeschlafen war. Wenige Monate später kam er immer öfter Nachts zu uns ins Bett. Mit etwa drei Jahren schlief er dann wieder komplett im Familienbett. Ich finde es auch keineswegs schlimm – frage mich aber, warum das so ist.
Ich vermute, dass er mit zunehmender Deutlichkeit des Autismus einfach mehr Sicherheit und Nähe brauchte. Er kann sich ja oft selbst nicht erklären, warum er tut was er tut und ist manchmal selbst verzweifelt. Daher kann ich mir gut vorstellen, dass ihn das Ganze manchmal auch ein bisschen fertig macht.
Abgesehen von der Nähe dauert es aber inzwischen auch wieder ziemlich lange, bis er einschläft. Meistens liege ich eine Stunde neben ihm, bis er endlich friedliche schläft.
Inzwischen weis ich, dass Schlafprobleme bei Autisten weit verbreitet sind – und bin froh, dass zumindest das Durchschlafen weiterhin klappt.
Den Mittagsschlaf hat er sich übrigens im Alter von zweieinhalb selbst abgewöhnt, er konnte einfach nicht mehr einschlafen.

Keine Rücksichtnahme – tut einem oft weh
Das Abendliche Einschlafen ist eine der Situationen, wo es sich besonders zeigt, dass körperliche Vorsicht nicht zu de Stärken des Großkindes gehört. Jeden Abend tut er mir weh, indem er mir seinen Kopf an meinen haut, mir irgendein Körperteil in den Bauch rammt oder ähnliches. Vorsichtig sein kann er einfach nicht. Seine körperliche Kraft regulieren ebenso wenig. Letzteres hat sich vor allem in der Zeit gezeigt, als seine kleinen Brüder jeweils noch kleine Babys waren, mit denen man nunmal vorsichtig machen muss. Letztendlich mussten wir ganz oft das Baby vor dem großen Bruder beschützen.

Keine Rücksichtnahme - Mittagsschlaf
Auch beim Thema Lautstärke zeigt sich oft die fehlende Rücksicht. Wir sind gerade am Ende von zwei Wochen Kita-Ferien, wo also alle Kinder zu Hause waren. Ich habe keine Ahnung, wie oft ich ihm Mittags erklärt habe, dass seine Brüder Mittagsschlaf machen, und ihn gebeten habe, doch bitte etwas leiser zu sein. Ohne Erfolg.

Fehlende Schuldeinsicht
Wie schon erwähnt, ist das Großkind sehr unvorsichtig und tut dadurch oft anderen weh – oftmals unabsichtlich. Wenn ich ihm erkläre, dass er mir gerade dolle weh getan hat, ist meisten die einzige Reaktion „oh“.
Daneben sehe ich das Mittelkind, das gerade knapp drei Jahre alt ist. Dieses merkt oft schon an meiner Reaktion, dass es mir gerade aus Versehen weh getan hat, bedarf keinerlei zusätzliche Erklärung und entschuldigt sich dann von selbst. Wie oft habe ich mir schon gewünscht, dass das Großkind es auch registrieren würde, wenn es anderen Unrecht oder Schmerz zugefügt hat.

Kann nicht um Dinge bitten, die er haben möchte
Wenn das Großkind etwas haben möchte, nimmt er sie sich. Eine Situation werde ich wohl nie vergessen – und sie ist unglaublich typisch:
Wir waren mit den Kindern im Innenhof spielen. Ebenso war da eine andere Familien aus unserem Haus mit zwei Töchtern im ähnlichen Alter wie meine Kinder. Das größere Mädchen hatte einen Ball dabei. Mein Großkind nahm ihn einfach und spielte damit – zu Recht störte das das Mädchen, das gerne hätte gefragt werden wollte. Ich erklärte meinem Sohn, dass er sich nicht einfach Dinge von Anderen nehmen darf – ich bat ihn, den Ball zurückzulegen und oder zu fragen, ob er damit spielen darf. Er legte ihn zurück und schlich traurig durch den Hof. Um Erlaubnis zu fragen oder um etwas zu bitten, schafft er einfach nicht. Bei Mama, Papa oder den Großeltern geht das inzwischen – bei anderen Menschen, auch wenn er sie schon eine Weile kennt, leider nicht. In solchen Situationen macht es mich selbst traurig, dass der Autismus ihm so im Weg steht.

Höflichkeitsfloskeln gibt es nicht
Ganz grundsätzlich gibt es bei ihm nie oder nur überaus selten Worte wie Danke oder Bitte oder eben Entschuldigung. Wir haben unsere Kinder noch nie gezwungen, diese Worte zu verwenden, sondern darauf vertraut, dass sie es dadurch übernehmen, dass wir es ihnen vorleben. Beim Mittelkind hat das auch super geklappt – da bin ich immer wieder überrascht, wie oft er Bitte und Danke sagt. Aber beim Großkind steht da einfach etwas im Weg.

Kann gegenüber Älteren seine Grenzen nicht formulieren und lässt sich zu viel gefallen
Was er leider auch nicht artikulieren kann, sind seine eigenen Wünsche und Grenzen – zumindest gegenüber älteren Kindern. In der Kita gibt es zwei bis drei ältere Jungs, die ihn schon immer provozieren und ihn oft ärgern – was mein Großkind sich leider zu oft gefallen lässt. Auch wenn der deutlich ältere Nachbarsjunge ihn viel zu oft und zu grob beim Toben schubst, traut mein Sohn sich nicht, etwas zu sagen.
Mich macht das traurig und auch etwas hilflos. Natürlich bestärke ich ihn immer wieder, etwas zu sagen oder sich Hilfe zu holen – mehr kann ich aber oft auch nicht machen.

Ist zu grob zu Gleichaltrigen bzw. Jüngeren – kann körperliche Kraft nicht regulieren
Zu jüngeren Kindern oder Gleichaltrigen ist er allerdings oft zu Grob. Manchmal habe ich das Gefühl, dass er vielleicht auch das, was er sich von Älteren gefallen lässt, an anderen auslassen oder das weitergeben möchte – aber ich weis es nicht.

Kann Grenzen anderer nicht einhalten, wenn sie seinen eigenen Wünschen entgegenstehen
Was man unter anderem an dem Groben Umgang merkt, ist die Tatsache, dass er die Grenzen Anderer oft nicht wahrnimmt. Und leider oft auch dann nicht wahrt, wenn man ihn darauf hin weis und bittet, aufzuhören. Insbesondere wenn die Grenze des anderen seinen eigenen Interessen entgegenstehen, ist er scheinbar blind und taub für die Bedürfnisse anderer.

Fehlende Distanzlosigkeit
Manchmal kommt es zu Situationen, wo ich mir wünsche, er hätte „Asperger“ auf der Stirn stehen, damit Andere sein Verhalten besser einordnen können. Dazu gehören vor allem Situationen, wo er sich gegenüber Erwachsenen absolut distanzlos verhält. Das passiert vor allem bei Menschen, die ihm nicht komplett fremd sind, mit denen wir aber auch nicht wahnsinnig viel zu tun haben. Dazu gehören vor allem die Eltern von anderen Kindern aus unserer Kita, die wir nur zwischen Tür und Angel beim Bringen oder Abholen treffen. Da kann es schon passieren, dass er anderen Vätern auf den Schoß oder den Rücken springt.

Fehlender Blickkontakt und Zugewandt sein
Wenn man mit dem Großkind redet, weis man nie, was davon eigentlich bei ihm ankommt. Das liegt unter anderem daran, dass es ihm unglaublich schwer fällt, Blickkontakt zu halten. Oftmals wenden sich nicht nur die Augen ab, sondern er dreht sich mit dem ganzen Körper weg, sodass man das Gefühl hat, dass er sich schon wieder auf etwas ganz anderes konzentriert während man ihm antwortet.

Enorme Schmerztoleranz
Mein Sohn hat eine riesige Schmerztoleranz – zumindest solange er keine Verletzung sieht. Es ist zwar toll, dass er nicht wegen jeder Kleinigkeit herum jammert, doch manchmal ist das halt auch gefährlich. Vor einigen Monaten, am letzten Kita-Tag vor Weihnachten holten wir ihn ab und er sagte, sein Fuß tue etwas weh, weil er sich gestoßen habe. Er lief normal und sagte auch nichts weiter. Als ich ihn abends umzog, erschrak ich erstmal. Sein großer Zeh war ganz blau und voller Blut, sein Nagel gebrochen. Er hatte sich nicht gestoßen, sondern sich die schwere Langbank im Bewegungsraum auf den großen Zeh gestellt. Das Blut ging nicht durch die Socke und auch sonst zeigte er keine Anzeichen, dass großartig etwas passiert sei – daher wurde in der Kita nur etwas gekühlt.
Wenn er aber eine Verletzung sieht, kann der kleinste Kratzer schon mega weh tun. Inzwischen hat er genau das aber erkannt und möchte für jede Kleinigkeit ein Pflaster – damit er es nicht mehr sieht und es nicht mehr weh tut.


Auch wenn ich weis, dass das Großkind diese Dinge nicht mit Absicht macht, sondern quasi ein kleines Männchen im Kopf sitzen hat, der ihn dazu anstiftet – es macht mich aktuell echt fertig und bringt mich an meine Grenzen.

Nahezu täglich wünschte ich, jemanden zu haben, der mal für MICH da ist – der mich auffängt, mir den Rücken stärkt und mich wieder aufbaut. Andere Menschen haben dafür ihren Partner bzw. ihre Partnerin – leider habe ich einen Partner, der mich mit allen Sorgen und Problemen alleine da stehen lässt und sich scheinbar um nichts und niemanden Gedanken macht außer um sich selbst.

 

 

 

 

Mitte August 2018