Als wir vor drei Jahren nach Leipzig gezogen sind, war ich gerade mit dem Mittelkind hochschwanger. Damals war für uns klar, dass wir mit einem zweiten Kind vollständig sein würden – und suchten uns dem entsprechend eine Wohnung mit zwei Kinderzimmern, wo unsere Kinder aufwachsen sollten. Als das Mittelkind dann knapp ein Jahr alt war, beschlossen wir dann, dass wir doch gerne noch ein drittes Kind möchten, das ein Jahr später unsere Familie komplett machte. Während der letzten Schwangerschaft räumten wir dann die Wohnung um und machten aus den bis dahin persönlichen Kinderzimmern ein Kinderschlafzimmer und ein Kinderspielzimmer.
Was im Laufe der Zeit deutlich wurde, war die Tatsache, dass es an spontaner Unterstützung im Alltag fehlte. Wir waren unter anderem deshalb nach Leipzig gezogen, weil hier meine Schwiegereltern leben und wir uns daher von einem Umzug familiäre Unterstützung erhofft hatten. Vorher hatten wir in Oberbayern gelebt, mehrere Stunden Fahrzeit entfernt von den Familien, und waren komplett auf uns allein gestellt. Mit dem Umzug in die sächsische Großstadt hatten wir dann zwar Hier und Da Unterstützung durch die Großeltern, aber diese musste immer geplant werden. Wir wohnten gut drei Kilometer aus einander, mussten immer mit dem Auto oder fünf Stationen mit der Straßenbahn fahren. Da überlegte man sich immer gut, ob man die Kinder dann mal „spontan“ abgibt oder es doch einfacher ist, die Dinge alleine zu bewältigen.
Mit der Planung eines dritten Kindes war klar, dass das Ganze nur mit mehr Unterstützung funktionieren würde. Also begannen wir, nach einer Wohnung Ausschau zu halten, die bei Oma und Opa um die Ecke liegt. Da meine Schwiegereltern sehr zentral wohnen, sind die meisten Wohnungen in der Gegend überaus teuer, weil neu saniert und auf Luxus ausgelegt. Die Wohnungen, die für uns wirklich in Frage gekommen wären, waren also nicht gerade zahlreich. Glücklicherweise suchten wir aber ohne Druck und nicht auf Biegen und Brechen. Gerade mal Drei oder vier Wohnungen haben wir innerhalb eines dreiviertel Jahres besichtigt. Durch einen glücklichen Zufall haben wir dann Anfang November 2018, eineinhalb Monate nach der Geburt vom Babykind, eine Wohnung zwei Häuser neben den Großeltern gefunden, die wir Anfang Januar 2018 beziehen konnten. Damals entschieden wir uns bewusst dafür, uns zu Gunsten der Nähe zu den Großeltern räumlich zu verkleinern – von vier Zimmern auf 105qm zogen wir in drei Zimmer auf 87qm. Da alle drei Kinder noch recht klein sind, waren wir der Meinung, dass in den nächsten fünf Jahren sowohl für uns als auch für die Kinder Nähe zu den Großeltern wesentlich wichtiger sein würde als viel Platz.

Seit sieben Monaten leben wir nun das Abenteuer Dreiraum-Wohnung – Zeit, eine Zwischenbilanz zu ziehen.

Was soll ich sagen?! Ich liebe unsere Wohnung! Aber nach und nach zeigen sich auch die Schattenseiten des Ganzen.

Wir haben ein Kinderzimmer für drei kleine Kinder. Dafür entschieden haben wir uns unter anderem deshalb, weil unser Vormieter ins Kinderzimmer eine zweite Ebene eingebaut hat – bei fast dreieinhalb Metern Deckenhöhe kann man das auch gut machen. So ist im Kinderzimmer unten auf 17qm ein wunderschönes Spieleparadies und oben auf einem tollen Podest der Schlafbereich. Zumindest theoretisch. Praktisch schlafen alle drei Kinder nach wie vor bei uns im Schlafzimmer im 3,5Meter-Familienbett. Letzte Woche gab es den ersten Vorstoß von Großkind und Mittelkind, im Kinderzimmer zu schlafen – hat leider nicht lange angehalten. So what. An sich finden wir das auch nicht schlimm. Allerdings ist im 25qm-Schlafzimmer nicht nur das eigentliche Schlafzimmer untergebracht, sondern auch in einem kleinen, abgetrennten Bereich mein Arbeitsplatz. Vieles, was ich theoretisch abends noch arbeiten könnte, kann ich auf Grund von dort schlafenden Kindern eben nicht umsetzen.

Im Kinderzimmer spielen vor allem die beiden Großen. Oft bauen sie sich eine große Eisenbahn-Strecke auf oder machen Puzzles auf dem Fußboden. Das Babykind hat aktuell noch sein ganzes Spielzeug im Wohnzimmer – findet es aber zunehmend interessanter, was die großen Brüder im Kinderzimmer treiben. So krabbelt er also inzwischen ständig ins Kinderzimmer und möchte mitspielen – und zerstört dabei aufgebaute Züge oder andere Dinge. Sehr zum Leidwesen der beiden Großen.
Beim Großkind merkt man immer deutlicher, dass es eigentlich einen Rückzugsraum bräuchte. Je mehr sich der Asperger-Autismus zeigt, umso mehr wünschte ich, wir könnten ihm einen eigenen Raum bieten. Auch das Mittelkind hätte es natürlich verdient, mal ungestört spielen zu können, ohne die manchmal komischen Anwandlungen des großen Bruders.

Es ist Sommer. Ein außerordentlich heißer noch dazu - aktuell gibt es Wochen, wo auch die Kinder jeden Abend duschen müssen. Da zeigt sich schon ziemlich deutlich, dass es super wäre, wieder zwei Bäder zu haben, wo mein Mann und ich dann abends parallel die Kinder duschen und fertigmachen könnten. Aktuell dauert es abends jeden Tag ewig, bis alle frisch und bettfertig sind. Die Tatsache, dass wir nur ein Badezimmer haben, heißt natürlich auch: wir haben nur eine Toilette. Aktuell führt das noch zu keinen allzu großen Problemen, weil bisher nur drei von fünf Personen die Toilette benutzen. Ich bin mal gespannt, wie das dann wird, wenn auch die anderen Jungs trocken werden.

Was auch weggefallen ist, ist der Balkon. Wir sind die einzige Wohnung im Haus, die keinen hat. Dafür wohnen wir im Hochparterre und sind entsprechend schnell im Innenhof.

Aktuell sind die Tage so anstrengend, dass mein Mann und ich ohnehin ganz oft beim Kinder ins Bett bringen mit einschlafen. Und wenn nicht, dann gibt es abends für Gewöhnlich noch genug im Haushalt zu tun. Wir hätten derzeit also auch gar nicht das Bedürfnis, uns abends auf den Balkon zu setzen. Aber auch das wird sich im Laufe der Zeit mit steigendem Alter der Kinder wieder ändern.

In der alten Wohnung waren wir auch etwas verwöhnt von einer gut funktionierenden Hausverwaltung, die sich stets schnell um Dinge gekümmert hat. Aktuell haben wir das Gegenteil – was einfach absolut nervig ist. Bei der nächsten Wohnung ist das auf jeden Fall etwas, worauf wir im Vorfeld achten werden.

Inzwischen halte ich Ausschau nach einer anderen Wohnung – in dem Bewusstsein, dass es noch lange dauern kann oder wird, bis wir etwas wirklich Passendes finden. Denn eine Wohnung, die unseren Bedürfnissen in Größe, Ausstattung UND Lage entspricht, ist für gewöhnlich viel zu teuer.
Glücklicherweise haben wir aber auch jetzt keinerlei Druck. Natürlich wären mehr Zimmer und ein zweites Bad tatsächlich sehr schön – aber auch in der jetzigen Wohnung werden wir die nächsten Jahre gut verbringen können, wenn sich nichts Passendes findet.
Mittelfristig werden wir in circa zwei Jahren die Zimmer tauschen, sodass die Kinder das aktuelle Schlafzimmer bekommen und wir das aktuelle Kinderzimmer.

 

 

Mitte August 2018