Am Ende

Ich bin am Ende. Sowohl nervlich als auch bezogen auf die körperliche Energie.
Meine Akkus sind absolut leer.
Ich fühle mich energielos und ausgelaugt.
Ich habe das Gefühl, mich selbst verloren zu haben, weil ich seit Wochen nur noch funktioniere.
Und ich fühle mich mit alldem ziemlich allein.

Viel zu lange habe ich gekämpft ohne mal auf mich selbst zu schauen.
Meine „Beziehung“ hat mich in den letzten Jahren sehr viel Energie gekostet. Ich habe versucht, für alles Verständnis zu haben. Habe sein Verhalten den Kindern gegenüber versucht auszugleichen – lange Zeit ohne zu merken, wie ich mich damit selbst schleichend kaputt mache.

Ende November 2017 wurde mir vom Chaosmann gehörig das Herz gebrochen. Damals hatte ich ihm erklärt, dass er ganz viel in mir kaputt gemacht hatte und es viel Einsatz kosten würde, da wieder etwas heile zu machen. Im ersten Moment folgten große Versprechen – denen gefolgt ist absolut nichts.
Im Sommer 2018 waren wir kurzzeitig getrennt. Damals hatte ich mich auf einen Neuanfang eingelassen – auf Grund des Versprechens, dass es mehr Zeit als Paar geben werde und er sich darum kümmern würde. Das ist jetzt knapp ein Jahr her. Passiert ist seither nichts. Ich habe lange Zeit gewartet und gehofft. Habe Verständnis dafür gezeigt, dass er nunmal nicht anders kann – und Vieles in mich hinein gefressen.
Seit Wochen sieht jeder Abend so aus, dass er am Handy oder am Laptop hängt und ich ignoriert werde.

Inzwischen habe ich absolut keine Kraft mehr, ein Leben ohne fühlbare Liebe und ohne Interesse an mir als Mensch und Frau zu leben. Wenn für ihn Zeit für sich wichtiger ist als eine Beziehung, ist das okay – aber ich kann und will diesen Weg nicht mehr mit weiter gehen!
Für mich persönlich ist nach Jahren voller leerer Versprechen und keinerlei Verbesserung (eher im Gegenteil!) die Paar-Beziehung beendet. Der Chaosmann weis das – scheint ihm aber ebenso gleichgültig zu sein wie alles davor da gewesene.

Dass ich ständig mit allen Sorgen und Problemen alleine da stehe, macht es noch schwieriger – und kostet mich natürlich zusätzlich Kraft.
In den letzten Monaten wurde das Verhalten des Großkindes – auch in der Kita – immer auffälliger. Ich bin aktuell mit ihm mitten in der Wiederholung der Autismus-Diagnostik. Von dieser Diagnose, die wir hoffentlich bald endlich bekommen, ist so unglaublich viel abhängig. Diverse Unterstützungsmöglichkeiten, die wir dringend bräuchten, können wir erst mit handfester Diagnose beantragen. Dieses lange Warten macht mich schon seit Wochen absolut irre!
Eigentlich bräuchte das Großkind viel mehr Verständnis, Zuwendung und Aufmerksamkeit. Aber da ich selbst aktuell am Ende meiner Kräfte bin, kann ich sie ihm leider nicht geben – auch wenn es mir selbst das Herz bricht.

Ich bin genervt, dünnhäutig und viel zu oft viel zu schnell unfair zu den Kindern. Viel zu schnell werde ich laut. Ich hasse mich selbst dafür – aber im Moment kann ich einfach nicht anders.

Inzwischen sind meine Tage mehr als voll. Ich habe inzwischen einen Hauptjob mit 20 Stunden pro Woche, einen Zweitjob mit 8 Stunden pro Woche und arbeite ab und an freiberuflich. Morgens muss ich drei Kinder fertig machen und auf Kita und Tagesmutter verteilen – wodurch ich nicht vor 9 Uhr anfangen kann zu arbeiten. Zwei Nachmittage die Woche sind gefüllt mit Ergotherapie und Frühförderung des Großkindes. Da ich tagsüber garnicht so viel arbeiten kann wie ich gerne würde, arbeite ich oft abends im Homeoffice oder habe Abendtermine.
Hinzu kommen natürlich diverse Kinder-Termine bei Ärzten sowie ein 5-Personen-Haushalt, der sich leider nicht von selbst erledigt. Wenn ich mal auf sechs Stunden Schlaf pro Nacht komme, kann ich froh sein.
Mehr und mehr merke ich, wie auch mein Körper am Ende ist – ich habe schlicht und ergreifend keine Kraft mehr. Mir fehlt Schlaf und Zeit zum Regenerieren. Zeit für mich.
Viele werden jetzt denken: na dann arbeite doch weniger! Tatsächlich wäre es sicher für mein Zeitbudget und mein Wohlbefinden sinnvoller, den Zweitjob wieder zu kündigen. Allerdings könnten wir uns das aktuell garnicht leisten.

Eigentlich war ja geplant, im Juli diesen Jahres die Jungs taufen zu lassen. Der Termin stand seit Sommer 2017 fest. Zwischenzeitlich war auch angedacht, das Ganze mit einer kirchlichen Trauung zu verbinden. Nachdem es hier in den letzten Monaten nochmal drastisch bergab ging, habe ich das Ganze vor gut einem Monat gecancelt. Ich habe alles unter anderem mit der Begründung abgesagt, dass ich gefühlt kurz vorm Burnout stehe – und das nicht durch die Arbeit. Das meinte und meine ich auch vollkommen ernst, so hart es vielleicht auch klingt. Wer hat darauf hin alles man nachgefragt, wie es mir geht oder wie er/sie mich/uns unterstützen könnte? Richtig – Niemand! Kein Einziger!
Daran sieht man vielleicht auch ganz gut, wie realistisch der Vorschlag wäre, die Kinder einfach mal ein Wochenende abzugeben, um wieder Kraft zu tanken.

Im Moment habe ich keine Ahnung, wie sich die Situation bessern könnte oder wie ich wieder nachhaltig zu Kräften kommen könnte...
Was ich bräuchte, sind Menschen, die mir gut tun und die sich für mich interessieren.
Einen Kindsvater, der beständig gut und verständnisvoll zu den Kindern ist – dessen Verhalten ich nicht auf Kosten meiner eigenen Kraft ausgleichen muss.
Ab und an mal Zeit für mich – um hier und da wieder zu Kräften zu kommen und klar im Kopf zu bleiben statt inmitten der Sorgen durchzudrehen.
Mehr Energie, die ich meinen Kindern zu Gute kommen lassen kann – denn die haben es verdient und sind diesbezüglich in letzter Zeit viel zu kurz gekommen.
Und einen Mann, der mir wieder ein Lächeln ins Gesicht und Sonne ins Herz zaubert.

Letzteren habe ich sogar vor 1,5 Monaten zufällig kennen gelernt. Allerdings waren die Rahmenbedingungen auf beiden Seiten von Anfang an nicht gerade optimal. Beide in einer eigentlich kaputten Beziehung. Beide kaum freie Zeit, noch dazu vollkommen verschiedene Lebensrhythmen. Das alles wäre sicher mit viel gutem Willen irgendwie noch machbar gewesen. Was daraus geworden wäre – vielleicht ne Freundschaft, vielleicht aber auch wesentlich mehr – hätte sich dann gezeigt...
Aber ich fürchte, dass ich in den letzten Wochen auf Grund der Gesamtsituation und dem Chaos in meinem Matschhirn mit zu viel Gedanken machen und zu viel blindem Aktionismus da viel zu viel kaputt gemacht bzw. im Keim erstickt habe. Ich könnte mir dafür selbst in den Arsch beißen – und wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, ich würde es sofort tun!


Juni 2019