Eine neue Wohnung

 

Es ist so weit – wir ziehen um. Heute ist der letzte Abend in der alten Wohnung. So ziemlich alles ist eingepackt, der LKW steht bereits vor der Tür.
Eigentlich waren wir garnicht unzufrieden damit, wie wir bisher gewohnt haben. Wir wohnen in einer schönen Gegend, haben genug Platz und die Miete ist bezahlbar. Die Hausgemeinschaft ist toll, man hält zusammen, die Kinder spielen zusammen und es gibt gemeinsame Feste.

Vor gut zwei Jahren sind wir unter Anderem deswegen nach Leipzig gezogen, weil meine Schwiegereltern hier leben und wir uns daher familiäre Unterstützung erhofft haben. Diese hielt sich leider in Grenzen. Zwar schlafen die Kinder ab und an bei den Großeltern oder werden mal von ihnen von der Kita abgeholt – aber spontane Unterstützung im Alltag gab es bisher nicht. Nicht weil die Bereitschaft fehlt, sondern weil es noch immer zu kompliziert oder aufwendig wäre. Wir wohnen aktuell gut drei Kilometer von den Großeltern entfernt. Eine halbe Stunde zu Fuß oder fünf Stationen mit der Straßenbahn oder fünf Minuten mit dem Auto – plus Parkplatz suchen. Aber mit drei kleinen Kindern ist es eben genau sie spontane Unterstützung im Alltag, die am meisten helfen würde. Wenn ein Kind krank ist, wäre es schön, wenn es nicht mitkommen müsste, wenn ich das andere Kind in die Kita bringe. Wenn ich eine Woche weg bin, wäre es schön, wenn noch jemand da wäre, um meinem Mann abends zu helfen, die Kinder ins Bett zu bringen. Solche Sachen. Dinge, für die ich mich nicht extra ins Auto setze bzw. die ich dann doch lieber alleine mache statt jemanden zu bitten, sich dafür extra ins Auto zu setzen.

Schon vor einigen Monaten haben wir begonnen, die Augen offen zu halten nach einer Wohnung in der Nähe der Großeltern. Uns war klar, dass die Chancen nicht sonderlich gut stehen würden – es ist eine recht teure Wohngegend, wo die meisten Wohnungen unsere finanziellen Möglichkeiten deutlich übersteigen würden.
Über ebay Kleinanzeigen habe ich dann im Oktober eine Wohnung gefunden, die zwei Hauseingänge neben den Großeltern liegt. Relativ günstig, da sie unrenoviert übergeben wird und in den 1990ern letztmalig saniert wurde – die Badfliesen aus den 90ern stören uns aber relativ wenig. Abgesehen davon ist mir ein solches Objekt ganz recht. Gerade mit kleinen Kindern würde ich nie in eine frisch sanierte Wohnung ziehen – da hätte ich viel zu viel Angst, dass die Kinder Macken in den Boden oder Ähnliches machen. Bei der inserierten Wohnung war das ganz anders. Der große Haken: es ist eine 3-Zimmer-Wohnung. Mit drei Kindern in eine Dreiraumwohnung. Wir haben viel darüber nachgedacht. Das große Plus: die Wohnung hat eine Deckenhöhe von 3,40 Meter und der Vormieter hat ins Kinderzimmer eine zweite Ebene eingebaut – so haben wir das, was wir bisher in zwei Zimmern hatten, künftig auf zwei Ebenen. Unten Spielzimmer, oben Schlafbereich.
Letztendlich haben wir uns dafür entschieden, dass für die nächsten Jahre Nähe zu den Großeltern wichtiger ist als viel Platz. Daher nehmen wir eine räumliche Verkleinerung gerne in Kauf. Die Kinder werden davon profitieren und uns kann Hilfe im Alltag auch nicht schaden. In fünf oder sechs Jahren, wenn die Kinder dann nach und nach in die Schule kommen, werden wir uns dann etwas deutlich Größeres suchen – dann soll auch jeder ein eigenes Zimmer bekommen. Aber erstmal sind einfach andere Dinge wichtig.

Wir hatten großes Glück. Es gab wohl schon einen Interessenten, der dann kurz vor Vertragsunterzeichnung wieder abgesprungen war. Wir haben die Wohnung Anfang November besichtigt, uns in sie verliebt und dann ging alles ganz schnell. Da die Sympathie gepasst hat, der Vormieter auch der Hausmeister des Hauses und der Eigentümer ein Kumpel von ihm ist, ging alles den kurzen Weg und wir hatten am nächsten Morgen die Zusage. Am selben Tag fuhren wir zu unserer aktuellen Hausverwaltung, um gerade noch fristgerecht unsere aktuelle Wohnung zum 31.01. zu kündigen.

In den letzten Tagen haben wir viel Energie in die neue Wohnung gesteckt. Sie wurde in einem Zustand übergeben, in dem ich persönlich nie im Leben eine Wohnung übergeben würde. Dass sie unrenoviert sein würde, war ja klar – mit ungeputzt hatte ich jedoch nicht gerechnet. Allein den Fliesenspiegel in der Küche habe ich ewig geschrubbt.
Das Bad bekam ohnehin eine neue Toilettenschüssel und einen neuen Waschbecken-Ablauf. Zusätzlich gab es jetzt noch neue Armaturen für Badewanne und Waschbecken – diese waren nicht nur völlig verdreckt, sondern auch brüchig.
Das Malern der Wohnung haben wir machen lassen. Da wir auf Grund von anstehender Sanierung in der alten Wohnung nichts machen müssen, haben wir uns den Luxus gegönnt, die neue streichen zu lassen statt es selbst zu machen.
Der Aufbau der neuen Küche hat extrem aufgehalten. Statt einen Tag hat mein Mann drei Tage damit verbracht. Dem entsprechend habe ich die letzten vier Tage nicht nur damit verbracht, alles allein zu packen – sondern musste parallel auch noch das Baby bespaßen.
Ich bin so mega froh, dass der kleine Mann so pflegeleicht ist – und mich größtenteils hat machen lassen!

 


Ein neues Leben

So. Und nun sitze ich hier. Zwischen Kartons. Meinem ganzen, eingepackten Hab und Gut.
Für mich soll der Umzug auch in Neuanfang sein. Es MUSS ein Neuanfang sein – weil ich definitiv nicht so weitermachen kann wie in den letzten Wochen.

 

Und das in vielerlei Hinsicht...
… künftig möchte ich wieder mehr auf mich selbst schauen. Oder überhaupt wieder anfangen, auf mich zu schauen. In den letzten Monaten habe ich primär funktioniert und dafür gesorgt, dass alles läuft.
… ich habe keine Kraft mehr, ständig mit meinem Mann zu streiten. Ich kann es einfach nicht mehr. Ständig dasselbe sagen, um wieder festzustellen, dass es nicht ankommt oder nicht interessiert. Ich werde mich mehr auf mich und die Kinder konzentrieren und ihn machen lassen.
… mein Alltag soll wieder mehr Struktur bekommen. Das hat in den letzten Wochen, natürlich auch bedingt durch den Babymann, alles sehr gelitten.
… auch der Haushalt und unsere Finanzen sollen mehr Struktur bekommen.

ich möchte wieder mehr auch mit den beiden großen Kindern machen. Die Kinder wieder früher aus der Kita abholen. Seit der Schwangerschaft mit Kind 3, in der ich bei Weitem nicht so konnte wie ich gerne gewollt hätte, hat die gemeinsame Zeit unter der Woche doch sehr gelitten. Wobei ich auch weis, dass meine Jungs gerne in die Kita gehen und die Zeit dort genießen.

wenn die neue Wohnung fertig ist und ich mich damit nicht mehr beschäftigen muss, möchte ich endlich das Projekt „Abnehmen 2.0“ in Angriff nehmen. Ich ertrage einfach mein Spiegelbild nicht mehr und will mich selbst wieder geil finden. Mindestens 30kg müssen runter, besser 40kg.

 
Ich bin sehr gespannt, was davon wirklich umgesetzt wird bzw. wann ich dann was in Angriff nehme. Und was an neuen, unvorhergesehenen Problemen dazwischen kommt. Aktuell bin ich noch sehr motiviert. Aber jetzt muss erstmal der Umzug gut über die Bühne gehen.
Die beiden Großen sind das ganze Wochenende bei den Großeltern. Ich werde morgen früh mit dem Babymann rüber fahren und schonmal die Küche einräumen. Und das Bad schrubben – da der Installateur erst gestern da war, haben wir das bisher gelassen.
Schleppen dürfen die großen, starken Männer. Ich habe leider schon beim Hin- und Hertragen der Kartons hier in der Wohnung gemerkt, dass der letzte Kaiserschnitt noch nicht so lange her ist – ich würde mir keinen Gefallen tun, wenn ich morgen mit tragen würde.

Und dann starten wir morgen in einen neuen, hoffentlich besseren, Lebensabschnitt.

 

Anfang Januar 2018