Auch der schlimmste Urlaub hat seinen Sinn...


Im Herbst 2015 sind wir nach Leipzig gezogen – damals noch zu dritt. Kurz nach dem Umzug kam dann Kind 2 zur Welt. Wir lebten uns sehr gut ein, hatten eine tolle Kennenlern-Zeit und waren glücklich und zufrieden. So glücklich war ich wohl niemals vorher in meinem Leben.


 

Seither ist sehr vieles passiert...

Im Sommer 2016 hatten wir beschlossen, noch ein drittes Kind zu bekommen, das dann im September 2017 das Licht der Welt erblickte und aktuell acht Monate alt ist. Natürlich hat er die entsprechenden Bedürfnisse und die Hilflosigkeit, die ein Baby nunmal hat. Außerdem ist er glaub ich recht anfällig für Infekte und nimmt alles mit, was die großen Brüder aus der Kita mit nach Hause bringen.

Parallel zur letzten Schwangerschaft zeigte sich bei Kind 1 mehr und mehr, dass es speziell und besonders ist – im Zuge dessen wurde es mit ihm auch immer anstrengender. Da seine Besonderheiten auch den Umgang mit Anderen betreffen, ist gerade auch der Umgang mit Kind 2 oft sehr belastet. Grenzen werden nicht gewahrt, es wird viel gestritten, geschubst, gehauen. So wie alles Andere auch schaut sich Kind 2 natürlich auch dieses Verhalten vom großen Bruder ab. Streitigkeiten sind täglich an der Tagesordnung – was mich als Mutter seit Wochen mehr und mehr fertig macht!

Auch in der Ehe begann es während der letzten Schwangerschaft zu kriseln. Nach der Geburt wurde es nochmal um Einiges schlimmer und wir haben sehr viel gestritten. Immer wieder wegen denselben Dingen, immer wieder dieselben Dialoge mit wachsender Verzweiflung meinerseits – weil immer nur heiße Luft und leere Worte kamen und sich doch nie Etwas änderte. Meine Gefühle meinem Mann gegenüber haben in der Zeit sehr gelitten und es würde viel Arbeit und Kraft kosten, das wieder gerade zu rücken. Arbeit, die mein Mann scheinbar zu leisten nicht bereit ist – zumindest ist bisher nichts in die Richtung passiert. Längere Zeit standen wir kurz vor der Trennung und wäre es nach mir gegangen, wäre er im Januar gar nicht erst mit in die neue Wohnung gezogen. Inzwischen bin ich froh, dass er sich nicht hat abwimmeln lassen.


Hätten sich die Besonderheiten von Kind 1 früher und deutlicher gezeigt – ich bin mir sicher, dass es Kind 3 dann nicht oder wenn dann erst zu einem späteren Zeitpunkt gegeben hätte.

Um ab und zu etwas Anderes zu sehen und raus zu kommen – und auch um nicht mehr so viel Zeit mit Streiten zu verbringen – habe ich im Dezember letzten Jahres einen Minijob bei einem Bildungsträger hier in Leipzig angenommen. Sieben Stunden pro Woche, Samstags. Nachdem mein direkter Vorgesetzter das Unternehmen recht kurzfristig verlassen hat, habe ich nun zum 01.05. etwas aufgestockt und arbeite nun 16 Stunden pro Woche und das als Fachkraft. Somit muss ich nun auch meinen Alltag wieder neu organisieren.

Die letzten Wochen waren sehr hart und anstrengend. Geprägt von Streit, schreienden Kindern und dem Gefühl, immer drei Dinge gleichzeitig zu machen und mich zwischen all dem zu zerreißen, ohne es von irgendwem gedankt zu bekommen.


Bereits letzten Sommer, also noch während der Schwangerschaft, haben wir unseren ersten Familienurlaub gebucht – eine Woche Centerparcs an der Nordseeküste. Weder mein Mann noch ich haben den Wunsch, in den Urlaub zu fahren. Wir gestalten lieber unseren Alltag schön – um garnicht erst das Bedürfnis zu haben, uns im Urlaub von ihm erholen zu müssen. Aber da die Jungs es sich gewünscht hatten, haben wir im August dann doch ein Ferienhaus gebucht.

Letzte Woche war es dann so weit, am Montag sollte es los gehen. Spätestens am Donnerstag zuvor hatte ich schon keine Lust mehr darauf – mein Mann und ich waren mal wieder den ganzen Tag nur am Streiten, wodurch ich eigentlich keine Lust mehr hatte, mit ihm gemeinsam weg zu fahren. Aber den Urlaub kurzfristig abzusagen hätte ich den Kindern nicht antun können. Am Sonntag hatte ich dann Geburtstag – auch dieser Tag war mal wieder, wie fast jedes Jahr, ein Desaster.

Dennoch ging es am Tag darauf in Richtung Norden. Kind 1 war schon Tage zuvor total aufgedreht und aufgeregt gewesen. Die Hinfahrt lief relativ entspannt – aus geplanten 4,5 Stunden reiner Fahrzeit wurden 6,5 Stunden mit Pause. Also durchaus vertretbar. Auf der Fahrt haben wir viele Bücher angeschaut und Hörspiele angehört. Am Ziel angekommen, checkten wir ein, bezogen unser Ferienhaus und machten einen Spaziergang, um uns umzuschauen. Die beiden älteren Kinder waren aufgedreht und unausgelastet – verständlich nach der langen Fahrt.
Die erste Nacht war eine reine Qual. Kind 1 und Kind 2 schliefen in einem eigenen Zimmer, jeder in einem Einzelbett, Kind 3 schlief bei uns im Schlafzimmer in einem Babybett. Eine Schlafsituation, die die Jungs nicht gewohnt waren – irgendwann lagen dann alle drei bei uns mit im Bett. Da unser Bett aber grob geschätzt nur 1,60m breit war, haben wir entsprechend kaum geschlafen.

Die folgenden Tage waren nicht viel besser. Kind 1 war über alle Maßen aufgedreht und kaum zu bändigen. Dass er nicht mit Veränderungen, neuen Situationen und neuen Umgebungen umgehen kann, wussten wir – was das für einen Urlaub bedeutet, war uns jedoch nicht bewusst gewesen. Kind 2 machte seinem großen Bruder natürlich in gewohnter Weise alles nach und war ebenso außer Kontrolle. Daneben noch der Babymann, der natürlich auch entsprechend Aufmerksamkeit forderte. Ich hatte das Gefühl, dass wir nichts und niemandem wirklich gerecht werden, dass wir komplett überfordert sind. Gefühlt waren wir nur am Schimpfen, um das Chaos möglichst gering zu halten. Jeden Abend, als die Jungs endlich schliefen, war ich froh, dass der Tag endlich vorbei war. Und fühlte mich wie die schlechteste Mutter der Welt.

Auch wenn es sicher auch ein paar wenige schöne Momente gab und die Jungs den Urlaub trotz allem schön fanden – ich hatte das Gefühl, es ist für alle einfach nur eine Tortour. Zu allem Überfluss wachte Kind 3 dann am letzten Tag noch mit einer fetten Mittelohrentzündung auf. Auf dem Heimfahrt war er dem entsprechend fast nur am Motzen. Nach Hause gefahren sind wir am Freitag vor Pfingsten, auf überfüllten Straßen mit vielen Baustellen und Staus - alles in allem waren wir 10 Stunden unterwegs.
Nach diesem Urlaub war ich absolut durch, fertig mit den Nerven und urlaubsreif – letzteres war ich zuletzt vor vielen Jahren, das heißt also was!

Auch wenn der Urlaub an sich die absolute Vollkatastrophe war, war er doch der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat – und der vielleicht auch notwendig war. Denn er führte mir so Einiges nochmal gesammelt und sehr deutlich vor Auge:

  • Ich möchte definitiv, dass wir wieder eine glückliche Familie werden – zu fünft!

  • Wenn mein Mann und ich weiter streiten und uns gegenseitig Vorwürfe machen, wird das nichts. Wir müssen wieder weiter zusammen rücken und als Team agieren.

  • Wir brauchen wieder mehr Struktur und Regelmäßigkeit im Alltag.

  • Es muss wieder mehr Ruhe einkehren – vor allem im Umgang mit einander.

  • Die Kinder brauchen wieder mehr Sicherheit.

  • Die Kinder sind anstrengend – keine Frage. Aber trotzdem haben sie es verdient, so angenommen zu werden wie sie sind, mit all ihren Besonderheiten.

  • Wir brauchen mehr Geduld. Wenn es die irgendwo zu kaufen gibt – bitte sagt mir wo!

  • Mein Mann und ich brauchen mehr Ausgleich – und vor allem endlich mal wieder etwas Zeit als Paar.

Eigentlich möchte ich nur das, was wohl jeder möchte – eine glückliche Familie sein. Aber in den letzten Wochen schien mir nichts ferner und unerreichbarer zu sein. Inzwischen bin ich mir aber sicher, das ich es um jeden Preis wieder erreichen möchte. Dass ich wieder so glücklich sein möchte wie Anfang 2016 – nur eben zu fünft.
Es wird wohl ein langer, harter Weg werden. Aber wenn wir es schaffen, endlich wieder zusammen zu halten, meistern wir auch diese Krise.

Ende Mai 2018