Unser Alltag ist ihre Kindheit
Was wollen wir unseren Kindern mitgeben?

Die letzten Monate waren sehr anstrengend – auch emotional. Es gab viel Streit in der Ehe, ich hatte oft meine Emotionen nicht im Griff und vieles mehr. Leidtragende waren leider viel zu oft meine Kinder. Je mehr ich so langsam aber sicher selbst zur Ruhe komme, umso mehr wird mir bewusst, wie wichtig es auch für die Jungs ist, wieder mehr zur Ruhe zu kommen. Nicht in Bezug auf den alltäglichen Ablauf, sondern in emotionaler Hinsicht. In den letzten Monaten waren wir leider keine sehr verlässlichen Eltern – haben viel geschimpft und sind schnell von 0 auf 100 gegangen. Für kleine Kinder natürlich absolut unverständlich.

Was vermutlich sehr unter all dem gelitten hat, ist die Sicherheit und Geborgenheit, die meine Kinder spüren – oder eben aktuell auch nicht. Mir ist bewusst, dass es Einiges an Arbeit kosten wird, aber ich möchte auf jeden Fall weiter daran arbeiten, die Bindung zu meinen Kindern wieder mehr zu stabilisieren und ihnen wieder mehr Sicherheit zu geben. Zum Einen soll die Zeit als gesamte Familie wieder ruhiger und entspannter werden, zum Anderen soll jeder der Jungs mehr „exklusive Zeit“ mit Mama oder, sofern es zeitlich passt, sogar mit Mama und Papa bekommen.

Anfang des Jahres sind wir umgezogen und haben uns bewusst verkleinert zu Gunsten der Nähe zu den Großeltern. Seither wohnen wir zwei Hauseingänge neben meinen Schwiegereltern. Diese gehören natürlich zu einer anderen Generation, die ihre eigenen Kinder vor 30 Jahren erzogen haben. Damals waren noch ganz andere Dinge in der Kindererziehung Gang und Gebe als heute. Bisher hatte ich immer das Gefühl, dass meine Kinder bei den Großeltern gut aufgehoben seien – doch in den letzten Wochen kommt es immer öfter zu Punkten, an denen es Probleme gibt. Es fallen Sätze gegenüber den Kindern, die für mich so garnicht gehen – Dinge, von denen man heute weis, dass sie eine kleine Kinderseele ganz schön schädigen können.

Grundsätzlich bin ich nach wie vor der Meinung, dass jede Generation seine Kinder nach bestem Wissen und Gewissen erzogen hat. Aber genau dieses Wissen ist heute so groß wie nie zuvor. Gerade im Bereich der kindlichen psychischen Entwicklung ist das Wissen in den letzten Jahrzehnten enorm gewachsen – von Vielem, was früher normal war, weis man heute, dass es mitunter großen Schaden anrichten kann. Es muss nicht, aber es kann. Dieses Wissen zu ignorieren oder dem wissentlich zuwider zu handeln, halte ich für grob fahrlässig.
Auch den Satz „euch hat es auch nicht geschadet“ halte ich für schlicht und ergreifend falsch. Kindern mit Liebesentzug zu drohen, sie nur lieb zu haben solange sie folgsam sind, ein Klaps auf den Po, negative Gefühle wie Wut und Aggression beim Kind nicht zuzulassen bzw. sie dafür zu schimpfen oder zu bestrafen – mit all diesen Dingen ist meine Generation aufgewachsen. Mir persönlich hat es sehr wohl geschadet. Und wenn ich mich in meiner Generation oder auch den Generationen zuvor umsehe, sehe ich viele gefühlskalte, bindungsunfähige Menschen, die nicht zu ihren Gefühlen stehen (können), die nur die negativen Dinge ansprechen statt auch mal die positiven Dinge hervorzuheben, die darauf bedacht sind, den äußeren Schein zu wahren und angepasst sind. Dass das „Normal“ zu sein scheint, heißt nicht automatisch, dass es gut ist!

Erschwerend hinzu kommt natürlich, dass ich meinen Kindern nicht das vorleben möchte, was mein Mann ihnen vorlebt. Ich lebe in einer Ehe, in der mein Mann mir nicht das Gefühl geben kann, dass er mich liebt – weil er keine Gefühle zeigen kann, nicht über Gefühle reden kann und auch für die Gefühle Anderer nicht empfänglich ist. Weder im Umgang mit mir noch mit den Kindern. Natürlich ist es für mich unglaublich frustrierend und seit Monaten habe ich enorm daran zu knabbern. Aber ich bin nun an einem Punkt angekommen, wo ich das akzeptieren muss und es nach und nach besser kann. Der Gedanke, dass er vielleicht schlicht und ergreifend auch Asperger hat, macht es deutlich leichter – denn das würde bedeuten, dass er wirklich nicht anders KANN und kein egoistischer, gefühlloser Klotz ist. Aber dennoch lässt es ja meine Bedürfnisse nicht verschwinden. Umso wichtiger ist es mir, meinen Kindern zu zeigen, dass es auch anders geht – und es ihnen auch anders vorzuleben.

Die Streitpunkte der letzten Wochen haben mich nun immer wieder dazu angeregt, mich selbst daran zu erinnern und mir bewusst zu machen, was mir in der Erziehung meiner Kinder wichtig ist.

Bereits im Mai 2016 habe ich die Dinge, die uns damals besonders wichtig waren, zusammen geschrieben – diesen Text habe ich nun wieder hervor geholt, überarbeitet und ergänzt.

Wir wachsen selbst an der Aufgabe des Elternseins und entwickeln uns hierbei bei jeder neuen Situation ständig weiter. Aber unser Handeln als Eltern ist theoretisch gut überlegt und fußt auf unseren Überzeugungen – praktisch ging das leider in den letzten Monaten etwas unter. Umso wichtiger ist es nun, uns selbst diese Überzeugungen wieder ins Gedächtnis zu rufen.

 

 


Grundlagen unserer Erziehung

Das war schon immer so“ oder „Das gehört sich so“ ist für uns kein Argument!
Nur, weil andere Eltern die Dinge so machen oder man es früher so gemacht hat, heißt das nicht, dass wir dadurch die Dinge automatisch genauso machen müssen. Wir hinterfragen die Dinge, informieren uns und tun das, was wir für richtig halten. Gerade im Bereich der frühkindlichen Entwicklungspsychologie hat man heute wesentlich mehr Erkenntnisse als vor 30 Jahren.
Auch in der Kommunikation mit unseren Kindern sind Dinge wie „Das gehört sich so“ kein Argument! Unsere Kinder sollen lernen, Dinge zu hinterfragen und selbst nachzudenken – und nicht alles gedankenlos zu übernehmen, weil „man“ das so macht.


Wir nehmen unsere Kinder an, wie sie sind – und nehmen sie als Menschen mit eigenem Willen ernst!
Die Wünsche und die Meinung unserer Kinder sind uns wichtig und werden akzeptiert, ernst genommen und – wenn möglich – umgesetzt bzw. fließen in einen Kompromiss mit ein. Wir wollen unsere Kinder nicht formen und schon garnicht zu Wesen machen, die nur gehorchen und Sanktionen fürchten. Unsere Kinder dürfen – in kindgerechtem Umfang – Dinge selbst entscheiden.
Wenn unsere Kinder uns um Hilfe bitten, helfen wir ihnen – auch bei Dingen, die sie eigentlich bereits alleine können. Dahinter steckt keine Faulheit, sondern meist der Wunsch, die Sache eben gemeinsam zu machen und der Wunsch nach Bestätigung dessen, dass man für das Kind da ist, wenn es einen braucht. (Die gefühlte Sicherheit bei Letzterem hat vermutlich in den letzten Monaten auch etwas gelitten.) Auf der anderen Seite ermutigen wir sie aber auch immer wieder, Dinge alleine auszuprobieren, bei denen sie bisher immer Hilfe bekommen haben – wir lassen sie damit aber nicht alleine, sondern bleiben dabei, schauen zu, ermutigen und helfen, wenn sie es möchten.

Wichtig ist uns, die Handlungen unserer Kinder zu hinterfragen und nicht gleich zu verurteilen oder zu übergehen. Wenn das Kind zum Beispiel beim Spazierengehen plötzlich wie wild in die andere Richtung zieht, wird dieser Wunsch nicht ignoriert und er zum Weitergehen gezwungen – wir versuchen erstmal herauszufinden, was er möchte. Meistens ist der Grund total simpel und er möchte zB nur warten, bis das Feuerwehrauto vorbei gefahren ist, das er an der nächsten Kreuzung entdeckt hat.
Verständnis sowie Kommunikation & Kooperation sind uns wichtiger als die „Macht“ über unsere Kinder zum Ausdruck zu bringen.
Im Gegenzug erklären wir ihnen, warum wir welche Dinge von ihnen wünschen und warum welche ihrer Wünsche nicht umsetzbar sind oder warten müssen. Kinder sind nicht dumm – ganz im Gegenteil, sie verstehen unglaublich viel. Und vor allem die Kooperationsbereitschaft des Kindes ist um ein Vielfaches höher, wenn es versteht, warum es Dinge machen soll oder warum Dinge nicht möglich sind.


Auch die Tatsache, dass das Großkind sehr verträumt und oft in seine eigene Welt versunken ist, sodass man ihn oft mehrmals anspricht ohne jegliche Reaktion, ist zwar anstrengend und manchmal ärgerlich – aber es ist nunmal ein Charakterzug, der zu ihm gehört und ihn ausmacht. Inzwischen ist ja auch ziemlich klar, dass es mehr ist als nur ein Charakterzug ist – auch die autistischen Zügen sind ein Teil von ihm, die wir zu akzeptieren versuchen, auch wenn es nicht immer leicht ist.

Respekt, Kommunikation und gegenseitiges Verständnis sind die Grundlage unserer Familie und bilden auch die Grundlage dafür, wie wir mit anderen Menschen umgehen.
Vorleben und ein gutes Vorbild sein ist für uns die beste Art der Erziehung. Ich kann nicht von meinem Kind erwarten, dass es sich ganz anders verhält als es es bei mir selbst sieht.


Ein „Nein“ hat immer einen sinnvollen Grund

Natürlich ist es nicht immer möglich, den Kindern alle Wünsche zu erfüllen. Manchmal gibt es einfach Gründe, aus denen eine Sache nicht umsetzbar ist – dann erklären wir es dem Kind, sodass es es versteht.
Den Kindern etwas zu verbieten, nur weil es uns selbst gegen den Strich geht oder wir unsere elterliche „Macht“ ausspielen wollen, ist ein absolutes No-Go.


Gefühle dürfen gezeigt und ausgelebt werden
Kinder können ihre Gefühle noch nicht regulieren! Gerade in der sogenannten „Trotzphase“ lernen sie sich selbst und ihre Gefühle kennen. Außerdem realisieren sie, dass sie eine eigene Persönlichkeit sind, wollen immer mehr selbst machen und streben nach Autonomie. Kinder erleben Gefühle noch sehr stark – ist etwas lustig, freuen sie sich über alle Maßen; sind sie traurig, dann sind sie das sehr; etc.
Die Gefühle können noch sehr schnell wechseln – das hat nichts mit Schauspielerei zu tun, das Kind will damit auch nichts bei den Erwachsenen erreichen – es empfindet einfach noch ganz anders und ungefilterter als Erwachsene!
Wir akzeptieren die Gefühle unserer Kinder und spielen Sie nicht herunter. Unsere Kinder sollen lernen, dass ihre Gefühle nicht falsch sind und dass sie sich nicht dafür schämen müssen! Sie werden noch früh genug mitbekommen, welche Gefühle man in welcher Form und zu welchem Anlass sozial erwünscht zeigt – frühestens aber dann, wenn sie ihre Gefühle rein von ihrer psychischen Entwicklung her überhaupt regulieren können. Wir als Eltern akzeptieren bei unseren Kindern alle Gefühle und Stimmungen – die Kinder dürfen sie ausleben und wir sind für sie da und helfen ihnen, damit umzugehen
. Herunterspielen und Unterdrücken ist weder jetzt noch später ein guter Weg, mit Gefühlen umzugehen.

Auch negative Gefühle wie WUT, NEID oder AGGRESSION sind Teil der menschlichen Gefühlswelt – und werden genauso zugelassen wie positive Gefühle!
Nicht nur Erwachsene, auch Kinder haben mal einen schlechten Tag. Wichtig ist, dass sie dann genauso angenommen und geliebt werden – vielleicht sogar noch mehr Unterstützung und Halt erfahren als sonst. Unsere Kinder müssen nicht nur funktionieren und „lieb sein“, sondern dürfen sein, wie sie sind – auch an schlechten Tagen. Wichtig ist uns aber an der Stelle, den Kindern wieder und wieder zu erklären und zu spiegeln, wie sich ihr Verhalten auf andere auswirkt.


Wutanfälle – Sicherheit schaffende Begleitung statt Schimpfen und Bestrafen
Bei einem Wutanfall ist das Kind selbst am meisten überfordert! Mit liebevoller Begleitung helfen wir unserem Kind aus der Situation heraus und helfen ihm beim Umgang mit diesem großen Gefühl. Schimpfen ist in dieser Situation absolut kontraproduktiv – das Kind ist einfach überwältigt von und überfordert mit diesem starken Gefühl und kann damit allein einfach nicht umgehen. Das heißt nicht, dass es in dieser Situation automatisch bekommen soll, was es möchte! Das heißt nur, dass es Begleitung und Verständnis braucht statt Bestrafung. Wenn es darum geht, dass das Kind etwas nicht bekommt, was es gerne hätte, erklären wir ihm ruhig und kindgerecht, warum es das nicht bekommt – statt selbst laut zu werden.


Kinder sind weder gut noch böse
Kinder sind per se nicht böse. Kinder sind auch nicht „brav“ - denn sie wissen garnicht wie „sich zu benehmen“ funktioniert. Ihr Verhalten ist immer ein Spiegel dessen, was in ihrer Welt passiert. Kinder zeigen in ihrem Verhalten, ob sie zufrieden sind oder nicht.
Zeigen Kinder Verhaltensweise, die „problematisch“ sind, machen sie das nicht aus Bosheit – es ist lediglich ein Symptom dessen, was in ihrem Leben falsch läuft bzw. woran es ihnen fehlt.



Empathie ist noch nicht möglich
Empathie ist die Soziale Kompetenz, die Kinder am spätesten lernen. Teilweise bis zum 6. Lebensjahr vermischen sie eigene mit fremden Gefühlen und übertragen die eigenen Gefühle auf Andere.
Will heißen: wenn Kind A Kind B den Ball wegnimmt, ist Kind A glücklich, weil es nun den Ball hat. In seinem Denken ist es so, dass auch Kind B nun automatisch glücklich sein muss. Dass andere Menschen dieselben Dinge anders empfinden, versteht ein Kleinkind noch nicht. Es ist wichtig, es dem Kind zu erklären – freundlich und kindgerecht. Immer und immer wieder – auch wenn es anstrengend ist.


Unsere Kinder sind laut – und das ist okay!
Kinder haben ihre eigene Persönlichkeit und ihr eigenes Temperament – und das ist auch gut so! Wir wollen unsere Kinder kennen lernen und nicht nach unseren Wünschen formen.
Das Großkind ist ein temperamentvoller Wirbelwind. Er findet es zwar auch schön, in Ruhe ein Buch anzusehen oder ein Puzzle zu machen – aber manchmal muss er einfach toben, rennen und schreien. Manchmal schreit und brüllt er einfach los – weil es ihm Spaß macht. Und, wie wir inzwischen wissen, weil er seine Impulse noch schlechter kontrollieren kann als „normale“ Kinder.


Wir passen uns dem Tempo des Kindes an
Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Wenn es darum geht, wann ein Kind anfängt zu krabbeln oder zu sitzen, ist das jedem klar. Doch auch bei Dingen wie auf Toilette gehen oder alleine woanders schlafen, hat jedes Kind sein individuelles Entwicklungstempo. Wir zwingen unsere Kinder diesbezüglich zu nichts und respektieren ihre individuelle Entwicklung! Wir zeigen und erklären den Kindern die Dinge (gerne auch immer wieder), zwingen ihnen aber nichts auf.
Hier müssen wir uns auch immer wieder selbst vergegenwärtigen, wie alt die Kinder erst sind. Auch wenn das Großkind bereits zwei kleinere Geschwister hat – auch er ist erst knapp 5 Jahren alt und damit noch ein kleines Kind.


Jedes Kind ist anders
Auch Grundsätzlich nehmen mir die Kinder als das Individuum an, das es ist. Nicht nur das Tempo ist unterschiedlich, daneben hat natürlich auch jedes Kind seine ganz persönlichen Stärken und Schwächen, seine Vorlieben und Abneigungen und seine speziellen Charakterzüge. Vergleiche zwischen den Geschwistern a la „Schau mal, we toll dein Bruder das macht – warum kannst du das nicht so toll?“ sind nicht nur unfair, weil sie Äpfel mit Birnen vergleichen, sondern setzen das Kind auch unnötig unter Druck. Familie und Geschwisterschaft soll nicht zum Wettbewerb werden – auch die Kinder unter einander sollen lernen, sich unter einander so zu lieben und anzunehmen wie sie sind.


Geschenke sollen Freude machen
Kinder brauchen viel und sind teuer. Dennoch sollen Geschenke den Beschenkten Freude machen – und nicht die Liste der notwendigen Ausgaben verkürzen.
Dinge, die die Kinder ohnehin brauchen, bekommen sie von uns – egal ob Kleidung oder Autositz. Zu Geburtstag, Weihnachten, etc. sollen die Kinder Dinge bekommen, die ihnen wirklich Freude machen. Das muss auch definitiv nichts Großes sein – im Zweifelsfall ne Kleinigkeit plus etwas für die Spardose.


Eigentum wird geachtet
Auch die Kinder dürfen entscheiden, mit wem sie ihr Eigentum (Spielzeug, Bücher, etc.) teilen oder eben nicht. Wenn das Eigentum des Kindes nicht geachtet wird, kann man nicht erwarten, dass es jemals anfängt, freiwillig zu teilen – es wird immer Angst haben müssen, dass die Dinge, die ihm gehören, ihm gegen seinen Willen wieder weggenommen werden. Außerdem wird es so auch nicht lernen, das Eigentum anderer zu respektieren.
Wenn das Kind sein Spielzeug, dass er für sich allein geschenkt bekommen hat, keinem anderen Kind ausborgen möchte, ist das vollkommen okay! Dann darf er aber ggf. auch nicht einfach mit dem Spielzeug anderer Kinder spielen.
Bei den Dingen, die alle Kinder gemeinsam geschenkt bekommen, ist uns hingegen wichtig, dass auch alle mitspielen dürfen.


Ein gewohnter Rhythmus schafft Sicherheit
Wir versuchen unseren Kindern einen sicheren Rahmen zu geben – der für uns auch einen festen Rhythmus beinhaltet. Das bezieht sich vor allem auf die Bettgehzeit inklusive Abend-Ritual und den Mittagsschlaf, der im Idealfall stattfinden. Ab dem Zeitpunkt, wo das Kind feste Nahrung zu sich nimmt, betrifft das auch die Essenszeiten, die jeden Tag ungefähr zum selben Zeitpunkt stattfinden sollen. Haben die Kinder zwischendrin Hunger, gibt es zusätzlich eine Kleinigkeit.
Natürlich gibt es immer Ausnahmen – wenn das Kind krank ist, wenn man bei einer Familienfeier ist oder Ähnliches. Aber nachdem das Großkind früher (etwa im Alter von 6-18 Monaten) sehr deutlich gezeigt hat, dass er einen Rhythmus braucht bzw. immer 2-3 Tage komplett neben der Spur war, wenn er mal für einen Tag aus seinem Rhythmus heraus kam, ist uns das schon sehr wichtig.


Selbstbestimmung über den eigenen Körper
Die Kinder sollen lernen, selbstbestimmt mit ihrem Körper umzugehen. Das heißt, von klein auf entscheiden sie selbst, wen sie umarmen, die Hand geben oder ein Küsschen geben. Sie sollen lernen, dass sie selbst die Grenzen setzen – und die Grenzen Anderer zu akzeptieren.


Nähe und Sicherheit sind Grundbedürfnisse
Für kleine Kinder ist Nähe ein genauso wichtiges Bedürfnis wie Hunger oder Durst.
Daher wurden unsere Kinder im jungen Alter viel getragen und daher schlafen wir inzwischen auch im Familienbett. Dass auch das Großkind aktuell noch nicht im Kinderzimmer schlafen möchte, ist für mich ein ganz klares Zeichen von fehlender Sicherheit – was wir wie anfangs beschrieben selbst zu verantworten haben.
Die Kinder sollen sich sicher sein können, dass wir zeitnah kommen und ihnen helfen, wenn ihnen etwas fehlt – daher würden wir sie auch nirgends schlafen legen, wo wir sie nicht hören würden, wenn sie schreien.


Unsere Kinder sind unsere Verantwortung
Wir haben uns selbst entschieden, die drei Kinder zu bekommen. Bewusst in einem sehr geringen zeitlichen Abstand – in dem Wissen, dass die ersten Jahre sehr anstrengend werden würden. Uns ist bewusst, dass dadurch in den ersten Jahre andere Dinge in den Hintergrund rücken oder gar wegfallen. Natürlich wäre es schön, mal etwas Zeit für sich zu haben, aber aktuell stehen nunmal die Kinder an allererster Stelle. Zumal uns der Gedanke zuwider ist, Andere zu bitten, ihre kostbare Freizeit zu opfern, um auf unsere Kinder aufzupassen, nur damit wir mal Ruhe haben. Wenn wir wichtige Termine haben oder Ähnliches, dann bitten wir die Großeltern oder Freunde natürlich auch um Hilfe, aber nicht, um unsere Ruhe zu haben – auch wenn es für unsere Beziehung vermutlich mal ganz gut wäre.

Bei drei kleinen Kindern in so kurzem Abstand ist es auch vollkommen okay, dass wir nicht beide voll arbeiten!
Wir werden weiterhin unser Leben und unseren Alltag so planen und organisieren, dass wir alleine klar kommen könnten. Unsere Arbeitszeiten werden immer Kita-kompatibel sein bzw. so auf einander abgestimmt, dass zumindest einer von uns da sein kann.
Wenn andere Menschen (Großeltern, Tanten/Onkel) ohne uns Zeit mit den Kindern verbringen wollen und die Kinder das auch möchten, ist das natürlich immer gerne gesehen – setzt aber voraus, dass unsere Ansichten toleriert werden und nicht gegen unseren Erziehungsstil gehandelt wird!



In den letzten Monaten habe ich (im Nachhinein betrachtet) leider zu oft den falschen Weg gewählt. Ich habe versucht, die Kinder vor der Kritik Anderer zu schützen oder davor, von Anderen geschimpft zu werden – indem ich selbst viel zu sehr an den Kindern herumkritisiert habe. Dies bezieht sich auf Dinge, die mir selbst nicht wichtig wären oder ich selbst nicht so schlimm finde – von denen ich aber weis, dass sie Anderen in unserem Umfeld wichtig sind. Z.B. die Tischmanieren bzw. das Benehmen beim Essen. Ich bin eigentlich der Meinung, dass man von Kindern nicht dasselbe Essverhalten (Umgang mit Besteck, Stillsitzen, etc) verlangen kann wie von Erwachsenen. Dennoch habe ich in der Situation meine Kinder zu oft zu sehr ermahnt und kritisiert – um zu verhindern, dass Andere die Kinder kritisieren.

Die Ursache hierfür liegt vermutlich in meiner eigenen Erziehung – in der ich stets darauf getrimmt wurde, darauf zu achten, was „die Leute“ denken könnten. In diesem Fall von meinen Kindern, aber auch von der Art und Weise, wie ich meine Kinder erziehe.
Inzwischen tut es mir unglaublich leid – denn auch hier sind die unnötig Leidtragenden meine Kinder. Nun habe ich beschlossen, mein bzw. unser Ding durchzuziehen und für unseren Weg einzustehen. Für das zu kämpfen, was für uns, unsere Familie und unsere Kinder gut ist.

 


Grundsätzlich ist es die Aufgabe von uns Eltern, den Rahmen zu schaffen – um den Kindern Sicherheit zu geben und sie zu schützen, aber auch um ihren Handlungsrahmen abzugrenzen. Innerhalb dieses Rahmens können die Kinder sich frei entwickeln bzw. können Entscheidungen gemeinsam getroffen werden.
Um den Kindern Konsistenz und Sicherheit zu geben, ist es wichtig, dass der Rahmen immer derselbe ist und nicht willkürlich kleiner und größer wird. Hierzu ist es wichtig, dass wir in denselben Situationen immer genauso reagieren – dies gibt den Kindern das Gefühl der Verlässlichkeit. Hierzu gehört es auch, nur solche Konsequenzen anzudrohen, die wir auch umsetzen würden.

Ins Leben mit dem ersten Kind sind wir irgendwie so rein geschlittert – im Vorfeld habe ich mir da über recht wenige Dinge Gedanken gemacht. Vieles hat man erstmal so übernommen, wie man es aus der eigenen Familie und dem persönlichen Umfeld kannte. Von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr, aber auch von Kind zu Kind haben wir uns mehr Gedanken gemacht, uns mehr mit dem aktuellen Wissenstand der Wissenschaft beschäftigt und uns mehr informiert. Wir haben aber auch einfach auf unseren Bauch gehört und die Dinge danach entschieden, was sich für uns und unsere Kinder gut anfühlt. Vieles kann man einfach nicht planen.
Mit jedem Kind entfernten wir uns immer mehr von der Erziehung der Strenge unserer eigenen Kindheit hin zu einer bindungsorientierten und bedürfnisorientierten Erziehung mit einem von uns vorgegebenen Rahmen.


Anfang Dezember 2018