Kinderlärm ist kein Grund, aus dem der Vermieter einen Mietvertrag kündigen kann. Inzwischen bin ich darüber sehr froh!


Kind 1 fing schon sehr früh an, laut zu sein. Er kam mit einem Jahr in die Krippe und nach ein paar Monaten fiel den Erzieherinnen auf, dass er immer sehr laut spielte und auch recht laut brabbelte und sang. Sie hatten uns empfohlen, doch mal die Ohren ärztlich abchecken zu lassen. Gesagt, getan – mit knapp eineinhalb Jahren wurde das Kind zum ersten Mal von einem Pädaudiologen untersucht. Auch nach unserem Umzug nach Leipzig drei Monate später gingen wir alle sechs Monate zur Untersuchung. Meist hatte der junge Mann kurz zuvor einen Infekt oder ähnliches gehabt, sodass die Ergebnisse nicht aussagekräftig waren. Erst mit dreieinhalb Jahren konnte abschließend bestätigt werden, dass das Gehör absolut in Ordnung sei.
Mit dem Sprechen hatte er sehr spät angefangen. Dafür hat er irgendwann angefangen, laut zu quietschen und zu schreien. Einfach so aus Spaß. Inzwischen spricht er glücklicherweise super – das laute Schreien ist geblieben. Die Tatsache, dass er inzwischen einen richtig guten Kindergarten-Kumpel hat, der ihm in Puncto laut sein in absolut nichts nachsteht, verstärkt es noch.
Natürlich schreit Kind 1 nicht immer. Er kann auch super mal eine Zeit lang ein Buch anschauen oder ein Puzzle machen. Aber im Großen und Ganzen ist er ein absolut klischeehafter Junge – voller Energie und Lautstärke.

 

Kind 2 hat zwar recht früh begonnen zu sprechen, konnte sich also früh verbal mitteilen. Aber da er seinem großen Bruder seit Monaten alles – und damit meine ich wirklich alles – nachmacht und nachredet, hat er sich auch die Sache mit dem Schreien schon längst abgeschaut.
Was Kind 2 auszeichnet ist die Tatsache, dass er schon seit circa einem Jahr ab und an eine absolute Diva ist. Wenn es nicht nach seinem Kopf geht, kann es passieren, dass er einen Brüll- und Heulanfall bekommt. Manchmal schmeißt er sich dabei auch auf den Fußboden. Das ist machmal wirklich lustig anzusehen – auch wenn ich mir in solchen Momenten das Lachen natürlich versuche zu verkneifen.

Was beide Jungs gemeinsam haben ist die Tatsache, dass sie gerne toben. Da reicht es auch nicht, dass sie sich einen großen Teil des Tages im Kindergarten austoben können. Auch zu Hause wird viel gerannt oder mit den Bobycars durch die Wohnung gedüst. Ich möchte garnicht wissen, wie viel dieser Lautstärke in der Wohnung unter uns ankommt. Aber logische Erklärungen, warum es für andere Menschen besser wäre, die Bobycars mal stehen zu lassen, stoßen bei Kleinkindern üblicherweise auf taube Ohren. Nach unserem Umzug in zwei Monaten werden die Autos definitiv nur noch draußen benutzt – da gibt es dann auch einen großen, gepflasterten Innenhof.

Vor einiger Zeit waren wir mit Kind 3 bei der U3. Da wird unter anderem neben dem Ohr kurz ein Glöckchen geläutet und geschaut, wie das Kind reagiert. Dabei stellte unser Kinderarzt sehr treffend fest, dass der Babymann wohl schon einiges an Lautstärke gewohnt sei bei den beiden großen Brüdern. Glücklicherweise scheint das aber nicht schlimm zu sein.

 

Leider sind wir Eltern auch nicht immer unbedingt leise.
Mein Mann ist nunmal ein Mann – die merken ja öfter mal selbst nicht mehr, wie laut ihre tiefe Stimme eigentlich ist.
Ich selbst bin es aus der Jugendarbeit und auch meiner Arbeit in den letzten Jahren gewohnt, stimmlich gegen eine Horde Kinder oder Jugendliche anzukommen. Leise ist also nicht gerade das, was ich gewohnt bin.
In den letzten Monaten – während einer anstrengenden Schwangerschaft und konfliktreichen ersten Wochen nach der Geburt – kamen auch diverse Ehe-Streitigkeiten dazu, nicht manchmal auch nicht gerade leise von Statten gingen. Ich für meinen Teil bin leider auch schon immer sehr emotional und leidenschaftlich – auch im Streiten.


In den letzten Monaten habe ich mir oft gewünscht, dass wir alle langsam mal etwas leiser werden würden. Und vielleicht ist ein gewisses Maß an Besserung auch möglich. Ein ganz kleines bisschen.
Aber wir haben nunmal drei kleine Jungs. Okay, einer davon schläft noch fast den ganzen Tag. Bleiben noch zwei kleine Jungs im besten (Klein-)Kind-Alter. Da wird oft geschrien und gehauen. Also unter den Jungs. In manchen Situationen muss man da einfach kurz laut werden. Wenn die Jungs sich zum Beispiel, wie heute Morgen erst, im Flur streiten, schubsen und wegschieben, sich gegenseitig weh tun, weil jeder der erste an der Tür sein möchte, und ich gerade nochmal auf der Toilette bin bevor wir das Haus verlassen, kann ich in dem Moment leider weder hingehen und die Streithähne von einander trennen noch liebevoll-ruhig mit ihnen das Problem diskutieren. Solche und andere Situationen, in denen man sich bei unseren Jungs nur Gehör verschaffen kann, wenn man selbst kurz laut wird, gibt es zu Hauf.

Wie schon erwähnt, war die letzte Schwangerschaft anstrengend. Ich war sehr oft gereizt und übellaunig. Und ja, ich habe das viel zu oft an meinen Kindern ausgelassen – nicht ohne schlechtes Gewissen. Seit der Geburt ist das schon deutlich besser geworden, wenn auch noch nicht perfekt. Gerade in Stress-Situationen, wo zeitgleich jedes Kind etwas anderes möchte und zusätzlich noch andere Dinge zu tun sind bzw. auf mich einprasseln, muss ich definitiv noch an meiner inneren Ruhe arbeiten, keine Frage. Aber ich fühle mich seit der Geburt schon deutlich entspannter als während der Schwangerschaft – und bin auch entspannter gegenüber den Kindern.

 

Ich möchte meinen Kindern mitgeben, dass sie zu ihren Gefühlen stehen und sie auch ausleben sollen und dürfen! Dazu gehören auch Wut, Aggression und Ärger. Oder übermäßig lautes Lachen oder vor Freude schreien. Außerdem sollen sie ruhig auch merken, dass ihre Eltern auch Gefühle haben. Wenn ich enttäuscht oder sauer bin, lasse ich das meine Kinder auch spüren – wobei es mir wichtig ist, es ihnen auch zu erklären inklusive der Gründe dafür.


Auch wenn ich es mir manchmal anders wünschen würde – vielleicht ist es auch einfach etwas, das uns auszeichnet. Pures Leben mit viel Lautstärke. Leidenschaft in allem, was wir tun – auch im Streiten.

 

Ende November 2017